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ORTE, DIE MAN NICHT VERSAEUMEN SOLLTE
Auf der Fahrt von Carrara trifft man auf die erste interessante
Ortschaft Campo Cecina, eine weitlaeufige Lichtung auf Karstgebiet
an den Auslaeufern der Berge Borla und Sagro.
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Dieser
Ort ist einer der meistbesuchtesten der apuanischen Alpen, sei es
von den Einheimischen, die die besondere Morphologie zum Fliegen ihrer
Drachen ausnutzen, als auch von Touristen, die von hier zu Ausfluegen
auf den Monte Sagro aufbrechen. Man nimmt an, dass Campo Cecina schon
zu Zeiten der Roemer bewohnt war, als der Hafen von Luni aktiv war,
von dem der Marmor der hiesigen Brueche zur Hauptstadt befoerdert
wurde.
Unweit von Campo Cecina liegt ein weiterer malerischer Ort,
umgeben von den sogenannten Cave dei Fantiscritti, einer weitlaeufigen
Gegend voller Steinbrueche, die ihren Namen einer roemischen Aedikula
verdankt, die heute im Museum der schoenen Kuenste in Carrara aufbewahrt
ist. Viele Kuenstler und Besucher hinterliessen ihre Unterschrift
auf dem Marmorbildnis von Jupiter, Herkules und Bachus. Ein weiterer
Anziehungspunkt dieses Ortes ist der Besuch des nahe des Steinbruchs
gelegenen Museums, in dem die Geschichte des Abbaus illustriert wird,
mit Vergleichen zwischen der vorindustriellen Periode und den heutigen
Techniken.
Von Carrara aus kommend, sollten die Feinschmecker auf keinen
Fall den Besuch von Colonnata, versaeumen, dem apuanischen
Ort, der mit seinem unvergleichbar koestlichen "lardo" -
Speck - Weltruhm erlangt hat. Die Strasse nach Colonnata gibt atemberaubende
Ausblicke frei und auch der kleine Bergmannsort inmitten der Abbaugegend
des beruehmten schwarzen Marmors ist schon allein von grossem Interesse.
Aber die Besucher kommen vor allem nach Colonnata, um den nach altem
Brauch zubereiteten Speck zu geniessen: in Marmorbecken gesalzen und
gewuerzt und fuer gut 10 Monate abgelagert. Das einst einfache Gericht
der Arbeiter der Marmorbrueche ist heute - genauso wie der apuanische
Marmor - eine "Delikatesse" von internationalem Ruf und
Prestige geworden: man braucht nur eine Scheibe davon zu probieren,
um zu verstehen, warum.
Im Inneren des Parks befindet sich ein Reservat der Organisation
Lipu - zwischen dem Berg Roccandagia und dem Monte Sumbra - , die
hier ihre didaktische und umweltschuetzende Funktion ausuebt. Beim
alten, aus Steinruinen restaurierten Hirtendorf Campocatino,
cdas den Schaefern als Sommerunterkunft diente, befindet sich
das Besucherzentrum, Ausgangspunkt der ins Innere des Reservats fuehrenden
Wege. In dem Teil des Naturschutzgebietes am Fluss Edron befinden
sich viele sehenswerte geschichtliche und naturalistische Zeugnisse.
Nur ein paar Schritte vom Besucherzentrum der Lipu steht das Oratorium
San Viviano, eine aus Stein, an der halben Felswand des Berges Roccandagia,
errichtete Wallfahrtskirche.
In Vagli di Sotto sollte man die wunderschoene, praktisch seit
ihrer Gruendung um 1000 intakt erhaltene Kirche Sant'Agostino besuchen.
Auch die Chiesa di San Regolo, die trotz Umbauten des 16.Jh.s noch
viele der originalen romanischen Formen zeigt, ist einen Abstecher
wert.
Im Ort Vagli di Sopra sollten Sie die Kirche San Lorenzo romanischen
Ursprungs besichtigen, die aber in der zweiten Haelfte des 19.Jh.s
voellig veraendert worden ist.
Liebhaber von Eiszeiten und praehistorischen Abenteuern werden
gerne das kleine Glazial-Tal Arnetola, it einigen Marmorbruechen
besichtigen. Hier sind auch einige Abschnitte der Via Vandelli erhalten,
eines spektakulaeren Weges durch die apuanischen Alpen, den die Herzoege
von Este im 18.Jh. zur besseren Verbindung von Modena und Massa Carrara
einrichten wollten.
Dreizehn Jahre harte Arbeit reichten aber nicht aus, um die
wilde, rauhe Natur der apuanischen Alpen und des Apennins zu "zaehmen",
und so beschloss man, nach einer dramatischen Folge von Erdrutschen,
Toten und Angriffen von Banditen das Projekt aufzugeben. Die heute
teils restaurierte via Vandelli bietet einen eindrucksvollen
Wanderweg durch das Herz der apuanischen Alpen.
Auch Caracraia, wischen den Bergen Tambura und Cavallo ist
ein idealer Ort fuer alle Liebhaber der Eiszeiten: hier im Herzen
eines von den Eiszeiten geformten, kargen und oeden Gebietes kann
man Dolinen und andere Karstformationen beobachten. In derselben Gegend
an der Grenze zur Provinz Lucca ist die antike Ansiedlung der Bergleute
Arni einen Besuch wert. Aber der bei weitem romantischste und
malerischste Ort ist ohne Zweifel Isola Santa.
Diese winzige, aus Stein errichtete Ansiedlung wurde traditionsgemaess
um eine Pilgerherberge erbaut und liegt an einem Stausee: der pittoreske,
inmitten der dichten apuanischen Waelder gelegene Ort Isola Santa,
der von dem Gipfel des Monte Altissimo ueberragt wird, vermittelt
den Besuchern eine unvergessliche Atmosphaere und ist eine Etappe
fuer alle Wanderer, die auf den Gipfel des Monte Altissimo steigen
wollen. Ganz im Gegenteil zu seinem Namen - altissimo bedeutet "hoechster"
- gehoert dieser Berg nicht zu den hoechsten der apuanischen Alpen,
aber seine steilen Berghaenge und die weissen Adern der antiken Steinbrueche
lassen ihn hoeher erscheinen, als er in Wirklichkeit ist.
Der Monte Altissimo ist fuer seine Wanderwege und herrlichen
Aussichten bekannt, aber war schon frueher fuer die besondere Qualitaet
seines Marmors beruehmt, den schon Michelangelo bevorzugte. Im Gemeindebereich
von Lucca sollte man ausserdem den an den Ort Levigliani an
den Auslaeufern des Monte Corchia besuchen. Der nahe einer
vorroemischen Nekropolis gelegene und von herrlichen Kastanienwaeldern
umgebene Ort ist nicht nur der ideale Ausgangspunkt fuer Touren auf
den Berg Corchia und die Pania della Croce, sondern auch ein
wahres Mekka fuer auslaendische Spelaeologen, die von hier zur Erkundung
des Antro del Corchia aufbrechen.
Die Pania della Croce ist einer der bekanntesten und meistbesuchtesten
Gipfel der Alpi Apuane. Sein abgerundetes Profil ist so imponent,
dass man es bei besonders klarem Himmel sogar von Florenz aus sieht.
Die Felswaende und die Schneerinnen des Pania Massifs, sowie der 300
m tiefe, senkrechte Schacht Abisso di Revel, deren Besuch den erfahrenen
Spelaeologen vorbehalten ist, machen es zu einem bevorzugten Ziel
der Wanderer, sowohl im Sommer als auch im Winter. Viele leichte Wanderwege
ohne besondere technische Schwierigkeiten koennen hier auch von weniger
erfahrenen Ausflueglern begangen werden: der eindrucksvollste dieser
Wege fuehrt auf den Gipfel der Pania della Croce, einem einmaligen
Aussichtspunkt, von dem man einen einzigartigen Blick ueber die Versilia,
die Garfagnana, die Inseln des toskanischen Archipels und die Insel
Korsika geniessen kann.
In Richtung Levigliani und Versilia faellt das Pania Massif
zur Garfagnana hin ab und bietet wunderschoene Kastanien-, Eichen-
und Buchenwaelder, in denen winzige Siedlungen aus Stein liegen. Dieses
Gebirge bietet in jeder Jahreszeit eine besondere Abwechselung fuer
alle, die keine nackten, rauhen Felsen oder zu schwierige Wanderungen
moegen, sondern lieber einen erholsamen Spaziergang im schattigen
Wald unternehmen moechten. Eine besonders feuchte und ueppige Gegend
ist das Tal Valle del Serra, eine weitere Oase in Inneren des Parks.
Hier wachsen und gedeihen zahlreiche Farne dank des wasserhaltigen
Bodens und des "Daches" aus Kastanien.
In der Valle del Serra gibt es einige der seltesten Farne,
die dank der Unterstuetzung der EU unter absolutem Schutz stehen.
Geschichtsliebhaber besuchen gerne die Orte, die einst Michelangelo
Buonarroti aufsuchte, um hier selbst den reinsten und wertvollsten
Marmor fuer seine Skulpturen auszusuchen. Hier im Tal des Flusses
Serra gab der groesste Bildhauer nicht nur die Anweisungen zum Abbau
dieses Gesteins, sondern entwarf auch eine Strasse eigens fuer den
Transport des Materials. Man verdankt dem Ingenieur Michelangelo den
Entwurf der Strasse, die oberhalb von Seravezza und Riomagno verlaeuft
und bis ans Meer fuehrt. Heute koennen die Besucher dieser Strasse
zu Fuss bis zum Botro di Rimone, folgen, wo der Weg dann zum
Fluss Serra fuehrt. Hier trifft man auf die Ueberreste einer Bruecke,
die einige Wissenschaftler demselben Michelangelo zuschreiben, der
an einer Verbindung mit dem Hang des Berges Carchio interessiert gewesen
sein sollte.
Auf dem Weg von Massa hinauf zu den apuanischen Alpen trifft
man auf die reizende Ortschaft San Carlo terme, ein kleiner,
fuer seine oligomineralischen Quellwasser bekannter Kurort. Vom Platz
des Ortes hat man einen herrlichen Blick ueber die unterhalb gelegenen
Taeler und, bei sehr guter Sicht, sogar bis hin zu den Inseln des
toskanischen Archipels.
Hinter San Carlo fuehrt die Hauptstrasse zu einem der bekanntesten
Orte der apuanischen Alpen Pian della Fioba, irekt unterhalb
des Monte Altissimo. Der botanische Lehrpfad der Alpi Apuane bringt
die Besucher zu einem der malerischsten Spots des gesamten zentralen
Parkabschnitts der apuanischen Berge: zum Pass des Pian della Fioba.
Die auf dem Pass eingerichtete Berghuette mit Labor bietet eine komplette
Auswahl der typischen und endemischen Pflanzen, die in den apuanischen
Alpen beheimatet sind. Von hier gehen auch zahlreiche Wege auf den
Berg Sagro.
Noch weiter in Richtung Parkmitte liegt zwischen dem Fluss
und den Haengen der umliegenden Berge Forno, der groesste Ort
des Tals Valle del Frigido. Die kleine Siedlung entstand um die schon
im 13.Jh. bluehende Eisenbearbeitung. Mit dem Ausgang des fuer die
Oefen noetigen Holzes wurde der Ort fuer die Geschicklichkeit seiner
Huthersteller beruehmt. In Forno bluehten die Fabriken, und
im Laufe des 19.Jh.s wurde sogar eine Spinnerei erbaut. Aus dieser
Zeit stammen auch die typischen Wohnungen der Arbeiter, die aus Platzmangel
in die Hoehe gebaut wurden. Noch heute sind einige Reste dieses "Arbeiterpalastes"
vor den Toren des Ortes erhalten. Die Spinnerei wurde von den Deutschen
im Zweiten Weltkrieg aus Vergeltung zerstoert: der noch bestehende
Teil wurde restauriert und beherbergt heute das Besucherzentrum des
Parks.
In unmittelbarer Naehe von Forno sind die kleinen Orte Vergheto
und Resceto. einen Abstecher wert. Der erste besteht aus einer
Gruppe von heute verlassenen Bauernhaeusern, die inmitten eines Kastanienwaldes
am Hang des Monte Sagro stehen. Resceto liegt an der Grenze zur Provinz
Lucca, nahe Arni, zu Fuessen der Berge Tambura und Cavallo.
Der kleine Ort der Grubenarbeiter wurde wohl zur Zeit der Via Vandelli
realisiert. Heute zieht Resceto im August zur historischen "lizzatura"
viele Touristen an: man erlebt, wie der Marmor aus den Steinbruechen
ohne die Hilfe von modernsten Technologien ins Tal befoerdert wird:
eine aeusserst gefaehrliche, aber um so faszinierende Aufgabe.
Von besonderer Schoenheit sind die suedlichen Auslaeufer der
Alpi Apuane, die nur etwas ueber 1200 m hoch sind und das Tal des
Flusses Pedogna, einem Zufluss des Serchio, bilden. Das Tal Val
Pedogna gehoert zu den wald- und wasserreichsten der apuanischen
Alpen: hier dominieren Kastanien und Steineichen. Das besonderste
Merkmal dieses Teils des Naturschutzgebietes ist das Phaenomen des
unterirdischen Wassers des Flusses Pedogna. Die Risse und Spalten
im Karstgestein lassen das Wasser in den Grund eindringen, und reichliche
Quellen lassen es wieder an die Erdoberflaeche treten. Dieses einzigartige
Phaenomen fasziniert Wissenschaftler schon seit Anfang des 20.Jh.s,
und es scheint, dass die unterirdischen Becken des Pedogna mit den
hydrografischen System der Versilia verbunden sind.
Das Tal des Pedogna war seit jeher fuer die Fertigkeit seiner
Eisen bearbeitenden Handwerker bekannt. Heute hat dieser antike Beruf
noch in San Giuseppe di Convalle, ueberlebt, einem kleiner
Ortsteil, der sicher einen Abstecher wert ist, um eins der aeltesten
Handwerke der apuanischen Alpen naeher kennenzulernen. Schon im 13.Jh.
Bluehte, dank der Wasserenergie und des Holzes der umliegenden Waelder,
das fuer die Schmelzoefen benoetigt wurde, die Bearbeitung des Eisens
entlang des Flusses Serchio und seiner Zufluesse. In San Giuseppe
di Convalle wird das Eisen noch heute auf antike Art und ohne Hilfe
moderner Technik bearbeitet. Die hergestellten Gegenstaende sind authentische
Meisterwerke dieses alten Kunsthandwerks.
Nahe Borgo a Mozzano, ist der kleine Ort Decimo - ein Lehen,
das vom Beginn des 18.Jh.s dem Bischof von Lucca gehoerte - einen
Abstecher wert. Wunderschoen ist die im 12.Jh. erbaute Pieve von Decimo,
ein einzigartiges Beispiel des toskanischen romanischen Stils.
Auch Pescagliaein antiker, hoch auf einem Berg gelegene,
von den Lucchesern erbauter Ort bewahrt noch Reste der im 16.Jh. errichteten
Befestigungsanlagen. In der Umgebung sollte man die kleine Ansiedlung
Colognora besuchen, wo ein Museum der Kastanie, einem bedeutenden
Element des Lebens im Hinterland von Lucca, gewidmet wurde. Auch der
Borgo Vetriano mit seinem imposanten mittelalterlichen Aussichtsturm,
einer huebschen romanischen Kirche und seinem kleinen, vielleicht
sogar dem kleinsten Theater der Welt, ist einen Abstecher wert.
Musikfreunde sollten nicht den Besuch von Celle dei Puccini,
Ortsteil von Pescaglia, versaeumen, wo Giacomo Puccini geboren wurde.
Im Geburtshaus des Familienoberhauptes der Puccini sind Gegenstaende
und Erinnerungsstuecke des grossen Komponisten ausgestellt.
Ein sehr eindrucksvoller Weg voller Emotionen der juengsten
Geschichte verbindet den Monte Folgorito und den Monte Carchio,
und wird nach dem militaerischen Namen der Demarkationslinie zwischen
den Provinzen Lucca und Massa Carrara "Linea Gotica",
(Gothische Linie) benannt. Der Weg fuehrt an Schuetzengraeben, kuenstlich
angelegten Hoehlen, in denen sich die Nazi-Invasoren versteckten,
in den Boden gegrabenen Loechern fuer Scharfschuetzen und Artellerieposten
vorbei.
Waehrend des letzten Weltkrieges waren die apuanischen Alpen
und der Apennin Schauplatz blutiger Schlachten; in dieser Gegend war
die Resistenz der Partisanen staerker als im Rest des Landes und um
so grausamer war die deutsche Vergeltung. In Sant'Anna di Stazzema
in der Versilia, zu Fuessen der apuanischen Alpen, spielte sich eine
der schrecklichsten Episoden der Nazi-Besatzung ab: am 12. August
1944 toeteten die SS hier 560 Zivile. Fuer diese schreckliche Vergeltung
erhielt die Gemeinde von Stazzema die Tapferkeitsmedaille und ein
Denkmal aus weissem Marmor, das noch heute an diese grausame Tat erinnert
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