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BERGE >> PRATOMAGNO

DIE SETTEPONTI

Die antike Via dei Setteponti zu Fuessen des Pratomagno-Massifs fuehrt durch seit Jahrhunderten intakte Landschaften und bietet aussergewoehnliche Moeglichkeiten, sich der Natur, der Geschichte und den authentischen Traditonen dieses herrlichen Teils der Toskana zu naehern.
Diese antike Verbindungsstrasse zwischen Florenz und Arezzo fuehrt an den Huegeln des Pratomagno entlang, wo auf Terrassen Oliven und Wein angebaut werden, und wo huebsche, von gepflegten Gaerten umgebene Haeuser und lebhafte, aus Stein erbaute "Borghi" stehen.
Aber der Schein truegt: es gibt in der von der Setteponti durchzogenen Landschaft nur sehr wenig Natuerliches und Wildes; die einzigartige Landschaft, durch die diese Strasse fuehrt, ist das Ergebnis einer Jahrhunderte andauernden Beziehung zwischen den Menschen und einem Gebiet, das von engen gepflasterten Wegen durchzogen wird, die auf die roemische Epoche oder das Hohe Mittelalter zurueckgehen. Ueberall verstreut stehen kleine Steinbauten, die einst als Schlafstaette fuer Pilger oder als Unterschlupf fuer Hirten dienten, die das Pratomagno Gebiet waehrend des Viehtriebes durchquerten. An den Haengen der Berge stehen Bauernhaeuser und Gutshoefe, waehrend auf den Gipfeln kleine Steinbauten stehen, die fruehen mittelalterlichen Ansiedlungen zeugen; an den Wegen liegen herrliche Pieven und Tabernakel - Ausdruck tiefster Glaeubigkeit der Bewohner. Die Berge des Pratomagno hingegen werden von Fluessen und Baechern gepraegt, die das Massif bis hoch zu den typisch abgerundeten Gipfeln in viele nebeneinander gelegene Taeler unterteilen.
Die Strasse Setteponti durchquert den gesamten Pratomagno, von den mit Oliven bestandenen Huegeln bis hin zu den hoechsten Gipfeln und den weiten Weideflaechen der Bergkaemme. Eine Fahrt auf dieser Strasse bedeutet die Entdeckung des authentischen Charmes einer noch unberuehrten Natur, die undenkbare Schaetze in sich birgt: vor allem natuerlich die Beziehung zwischen den Menschen und der Natur, die den Lauf der Geschichte ueber Jahrhunderte intakt ueberstanden hat. Die Setteponti geht auf die etruskische Periode zureuck, wurde aber unter den Roemern durch die neue, im 2.Jh. v.Chr. erbaute, Via Cassia ersetzt.
Spaeter wurde die Via Francigena zur Hauptverbindungsstrasse zwischen dem Norden und Sueden des Landes. Trotzdem hatte die Via Setteponti nie ihre Bedeutung verloren, die sie besonders im Mittelalter durch die zahlreichen, zu den vielen "Borghi" und Burgen fuehrenden Seitenstrassen gewonnen hatte. Dieses engmaschige Strassennetz ist noch gut erhalten, und man kann deutlich die Wege erkennen, die von der Setteponti hinauf auf die Bergkaemme und in die Taeler fuehrten und sie mit dem Casertino verbanden. Waehrend der Renaissance gewann die Setteponti fuer die Republik Florenz an strategischer Bedeutung, da diese das Gebiet Valdarno einnehmen wollte.
Vom 18.Jh. wurden die im Tale gelegenen, sichereren und geraderen Strassen zu den Hauptverkehrsverbindungen, die aber immer mit der Setteponti verbunden waren. Heute schlaengelt sich diese Strasse an den Huegeln entlang durch Siedlungen reicher Leute und zieht sowohl Naturfreunde als auch Geschichtsliebhaber an.Eine Entdeckungsreise durch das Gebiet Pratomagno folgt auf jeden Fall dem Verlauf der Setteponti, die vier Hauptorte beruehrt: Castglion Fibocchi, Loro Ciuffenna, Pian di Scò und Castelfranco di Sopra.
Auf der Fahrt von Arezzo trifft man zuerst auf den Ort Castiglion Fibocchi, der im 12.Jh. vom Besitz der Grafen Guidi in den der Familie Pazzi ueberging. Nachdem der Ort Teil der Gemeinde von Arezzo geworden war, wurde Castiglion Fibocchi im Jahre 1384 Besitz von Florenz und ging dann an das Grossherzogtum der Toskana. Die Altstadt des Ortes liegt oberhalb des modernen Teils und bewahrt noch heute seinen antiken Charme in den engen, stillen Pflastergassen, die eine mit der anderen verbunden sind. Sehr schoen und gut erhalten ist der antike Mauerring des Ortes, besonders das im 12.Jh. erbaute Tor Porta Fredda, das im Laufe des 19.Jh.s mehrmals erneuert wurde. Intakt erhalten ist noch der originale Flachbogen aus Quadersteinen.
Sehr charakteristisch ist auch der Gemeindepalast, der vom Uhrturm ueberragt wird: dieser Palazzo wurde 1854 aus einigen schon bestehenden Gebaeuden erbaut, die Teil des Pfarrhauses waren. Erst 1927 wurde bei Restaurierungsarbeiten im "neumittelalterlichen" Stil der Turm hinzugefuegt. In der Umgebung von Castiglion Fibocchi sollte man unbedingt die aus dem Ende des 19.Jh.s stammenden Bauernhaeuser besichtigen, die typisch fuer die laendliche Architektur des Pratomagno sind. Ein besonders schoenes Beispiel ist der einige Hundert Meter vor dem Ort gelegene Hof Podere San Pietro.
Einen Abstecher sind die Ruinen der antiken Pieve San Quirico Sopr'Arno und die inmitten der herrlichen Natur gelegene mittelalterliche Burg Gello Biscardo wert. Um sie zu erreichen, verlaesst man die Setteponti und nimmt die nach Gello Biscardo fuehrende Seitenstrasse.
Dann schlaegt man den CAI Wanderweg Nummer 53 ein, der zu den Resten der Pieve San Quirico Sopr'Arno fuehrt. Die fruehchristliche Kirche war bis zum 14.Jh. aktiv, als sie wohl wegen ihrer zwar malerischen, aber nur schwer erreichbaren Lage in Vergessenheit geriet. Heute ist die Pieve Teil eines verfallenen Gutskomplexes und eine wichtige Etappe auf der Entdeckungsreise des Pratomagno: ein Sprung zurueck in die Vergangenheit, aber auch ein herrlicher Aussichtspunkt ueber die Landschaft. Wenn man wieder auf der Streasse nach Gello Biscardo ist, erreicht man nach kurzer Zeit die mittelalterliche Burg, - einst im Besitz der Umbertini - die 1385 unter die Herrschaft von Florenz kam. Heute ist Gello Biscardo Teil der Gemeinde Castiglion Fibocchi und ist wegen seiner antiken, dem Taeufer gewidmeten Kirche langobardischen Ursprungs einen Abstecher wert, auch wenn der aktuelle Aspekt aus dem 19.Jh. Stammt.
Weiter geht es nach Loro Ciuffenna, einem charakteristischen historischen Borgo, der schon zu Zeiten der Etrusker und Roemer bewohnt war. Urspruenglich war Loro Ciuffenna eine befestigte Burg hoch ueber dem Fluss Ciuffenna, der heute noch durch den Ort fliesst. Auch die romanische Steinbruecke mit ihrem einzigen Bogen und die antike Muehle am Fluss mit den noch heute funktionierenden riesigen Muehlsteinen sind gut erhalten. Von den einst zwei Toren in den Wehrmauern steht heute nur noch das sogenannte "florentinische Tor", das Ende des 19.Jh.s erneuert wurde.
Auch der unterhalb der Burg und der Rocca gelegene Stadtteil ist groesstenteils intakt erhalten und bietet ein hervorragendes Beispiel mittelalterlicher Anpassung an die um den Ort liegende Gebirgsgegend.
Die antiken Haeuser sind mit Gassen, Treppen, Plaetzen und ueberdachten Gaengen miteinander verbunden. Hier kann man malerische Lokale und typische Restaurants finden, die hervorragende Koestlichkeiten der lokalen Kueche bieten. Ein Zeugnis der Lebendigkeit Loros im Mittelalter ist die als Pieve der Burg im 13.Jh. erbaute Kirche Santa Maria Assunta. In ihrem Inneren bewahrt sie einige wertvolle Fresken des 14. und 15.Jh.s. Die Umgebung von Loro Ciuffenna ist mit vielen Borghi und mittelalterlichen Burgen uebersaet, die sich in dominierenden Lagen erheben und besonders eindrucksvoll erscheinen.
Eine Tour um Loro Ciuffenna bewahrt viele Ueberraschungen; aber besonders der kleine, um die gleichnamige Pieve des 12.Jh.s entstandene Ort San Giustino Valdarno, im Gemeindebereich von Loro ist einen Besuch wert. Dank akkurater Renovierungsarbeiten erscheint das Innere der Pieve San Giustino wieder in seiner schlichten romanischen Pracht, nachdem die barocken Stuckarbeiten des 18.Jh.s entfernt worden sind. Unweit von San Guistino laedt die malerische, schon um das Jahr 1000 erwaehnte Burg Borro zu einem Besuch ein. Heute leben in dem malerischen Ort etwas ueber 20 Personen, und ein Bummel durch die ruhigen engen Gassen wird zu einem unvergesslichen Erlebnis. Nachdem man die Steinbruecke ueberquert hat, die erst vor kurzem die antike Zugbruecke ersetzt hat, kann man die Pfarrkirche, das Oratorium und die Pieve Santa Maria Maddalena besuchen. Einige Bauten von Borro haben herrliche Verzierungen aus "armen" Materialien wie Gips.
Diese zeigen das alltaegliche Leben eines mittelalterlichen Ortes: Handwerker bei der Arbeit in ihren Werkstaetten, die lebende Krippe, antike und bekannte Maerchen. Der Rundweg entlang der Setteponti fuehrt weiter zu der zwischen dem 12. und 13. Jh. als landwirtschaftlicher Ort entstandenen Gemeinde Pian di Scò, nahe der gleichnamigen romanischen Pieve. Der Ortskern entwickelte sich ab dem 14.Jh., als die Herrschaft der Republik Florenz Sicherheit und Frieden garantierte, die zum Wachstum einer lebhaften landwirtschaftlichen Aktivitaet noetig waren. Die Naehe des Flusses Resco beguenstigte die Entstehung einer Reihe von Muehlen, die das kuenstlich im Muehlgraben gesammelte Wasser ausnutzten. Dieser Graben lieferte Wasser fuer die heute noch zu sehenden Geraete vieler Bauernhoefe. Mit diesen wurden landwirtschaftliche Produkte, Getreide, Oliven und Kastanien verarbeitet.
Als die Muehlraeder zum Stillstand kamen, wurden sie zum Glueck nicht ihrem Schicksal ueberlassen, sondern bildeten den Kern charakteristischer, malerischer Wohnorte, die sich um sie herum entwickelten. Im modernen Teil von Pian di Scò kann man die Kirche San Miniato mit ihrer wunderschoenen mittelalterlichen Kapelle, die aus dem 17.Jh. stammende Kirche San Lorenzo mit dem schoenen Renaissance-Pfarrhaus und die romanische Pieve Pian di Scò besichtigen. Die schon seit dem 11.Jh. in Dokumenten erwaehnte Pieve ist sicherlich das eindrucksvollste Baudenkmal des Ortes, das dank der  Anfang des 20.Jh.s ausgefuehrten Restaurationsarbeiten wieder in seinem schlichten Glanz erstrahlt. Im Inneren sind die wunderschoenen romanischen Kapitele auf den einfachen Sandsteinsaeulen erwaehnenswert.
In der Gebirgslandschaft von Pian di Scò laden die archaeologischen Ausgrabungsstaetten von Poggio alla Regina zu einem Besuch ein. Hier stand einst die mittelalterliche Burg der Grafen Conti - der maechtigen Feudalherren, die Jahrhunderte ueber die Gegenden Casentino, Valdarno und die Romagna herrschten. Dies ist einer der wichtigsten Wohnorte auf den Hoehen des Valdarno, der schon in Dokumenten im 11.Jh. Erwaehnt wurde. Man nimmt an, dass die Burg von Poggio alla Regina den Grafen Conti zur Verteidigung gegen den wachsenden Expansionismus von Florenz diente, das zur selben Zeit schon einen Grossteil des Tales eingenommen hatte.
Im Gemeindebereich von Pian di Scò befindet sich auch Faella, ein antiker geschichtstraechtiger Ort mit der herrlichen romanischen Pieve Santa Maria a Faella. Die schoene Umgebung laedt zur Entdeckung ein. Zahlreiche sehenswerte Gutshoefe und das eindrucksvolle Schauspiel der sogenannten "Balze"  sollte man nicht versaeumen. Am Fluss Faella kann man eine maerchenhafte Landschaft voller Felswannen und Felsspitzen bewundern, die von Wind und Regen geformt wurden. Die "Balze" bestehen im unteren Teil aus Sand und Ton und in den oberen Schichten aus gepresstem Kies. Sie werden von der Natur staendig modelliert und somit auch bald verschwinden. Die Grotten und Hoehlen, die sich in dieser modellierbaren Masse oeffnen, liessen Geschichten von Elfen und Feen, sowie unzaehlige Maerchen entstehen.
Der Weg entlang der Setteponti erreicht nun den Gemeindebereich von Castelfranco di Sopra das zusammen mit Terranova Bracciolini und San Giovanni Valdarno eins der "Neuen Laender" ist, die Florenz zwischen dem 13. und 14.Jh. im oberen Valdarnoteil erbaute. Der Bau gaenzlich neuer Staedte stand ganz im Einklang mit dem Wunsch der Republik Florenz, die maechtigen Lehensfamilien, die ueber das obere Valdarno herrschten, zu unterwerfen. Alle diese "neuen Laender" wurden von florentinischen Ingenieuren nach strengen geometrischen Regeln entworfen, die wir auch in der Altstadt von Castelfranco wiederfinden.
Man nimmt an, dass die Planung des Ortes von Arnolfo di Cambio ausgefuehrt wurde, der diesen Ort in der Naehe der Abtei San Salvatore a Soffena errichtete. Der florentinische Architekt entwarf einen gaenzlich quadratischen Ort, der von einem Wehrmauerrring mit mehreren Tuermen und vier Toren umgeben war.
Von den Toren ist heute nur noch das mittlerste erhalten, das heute wegen des hohen Glockenturms Porta Campana (Tor der Glocke) genannt wird. Die zwei Hauptarterien des Ortes verlaufen so, dass sich an ihrem Schnittpunkt, der rechteckige Hauptplatz auftut. Am Platz liegt das alte Rathaus aus dem 14.Jh., dessen Hauptfassade mit Wappen der Prioren und Podestà verziert ist. Im Ortskern sollte man die, in der ersten Haelfte des 17.Jh.s erbaute Kirche San Filippo Neri besuchen - ein wunderschoenes Beispiel toskanischen Barocks.
Eins der bedeutendsten Baudenkmaeler von Castelfranco ist die Kirche San Tommaso, die auf die Gruendung des Ortes zurueckgeht. In der Umgebung von Castelfranco sollte man die einzigartig schoene Landschaft geniessen und eine Tour machen, um Burgen, Festungen, Borghi und mittelalterliche Pieven zu entdecken. Die eindrucksvolle Gegend der "Balze" - erosionsbedingten Formen wie Felsspitzen, Hoehlen und natuerlichen Basteien - reicht bis Castelfranco und laedt zu einem unvergesslichen Spaziergang durch eine maerchenhafte Atmospha.




















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